Widerstand durch Wissen

St. Wendel, 4.8.2025

Stellungnahme der Bürgerinitiative „Missionshaus – Zukunft mit Weitblick“ zur aktuellen Berichterstattung in der Saarbrücker Zeitung

Unsere Bürgerinitiative ist irritiert über die einseitige Darstellung in der aktuellen Berichterstattung der Saarbrücker Zeitung. Seit über 17 Monaten engagieren wir uns mit Nachdruck, aber friedlich und an Daten und Fakten orientiert für den Erhalt der Naturflächen am Missionshaus und einer zukunftsorientierten Lösung für die Missionshausgebäude in St. Wendel. Doch die aktuelle Berichterstattung spiegelt dieses Engagement kaum wider.

Bis heute hat sich die Lokalredaktion der Saarbrücker Zeitung nicht ein einziges Mal an unsere Initiative gewandt. Keine Anfrage, kein Gespräch, keine neutrale Auseinandersetzung mit unseren Argumenten. Trotz mehrfacher Schreiben an Chefredakteur Peter Herbst ist keine Verbesserung der Situation eingetreten. Dieses Schweigen ist nicht nur enttäuschend, sondern in einer funktionierenden Demokratie auch bedenklich.

Wir stehen für eine klare, faktenbasierte Position: Der geplante Eingriff in das Gebiet rund um das Missionshaus ist Naturzerstörung. Ohne Not soll am „Heiligen Berg“ wertvoller Boden zerstört werden. Boden, der uns vor Hochwasser schützt, CO₂ speichert, Wasser reinigt, gerade in unsicheren Zeiten auch die Ernährung sichert und der Lebensraum für unzählige Arten ist. Was hier am Missionshaus an Boden für ein unnötiges Prestigeprojekt versiegelt werden soll – ist für immer verloren – Boden lässt sich nicht zurückholen, nicht ersetzen, nicht reparieren. Was wir verbrauchen, ist für immer verloren. Verantwortlich für diese Naturzerstörung sind insbesondere Bürgermeister Peter Klär, CDU-Fraktionsvorsitzender und MdL Sebastian Schorr und Alexander Zeyer (CDU), die dieses Projekt politisch vorantreiben – gegen den ausdrücklichen Willen vieler Bürgerinnen und Bürger. Stadtentwicklung braucht politischen Mut und Weitblick. Beides fehlt der CDU-Fraktion und Bürgermeister Peter Klär. Klimaschutz und Naturschutz müssen heute ein selbstverständlicher Teil moderner und zukunftsgerichteter Politik sein. Genauso wie Bürgerbeteiligung und Transparenz, die von CDU und Bürgermeister Klär gern beschworen werden – in der Praxis aber leere Worthülsen bleiben.

Gleichzeitig hoffen wir weiterhin auf die Einsicht der Stadtratsmitglieder – insbesondere aus den Reihen von CDU und ProWND. Eine zukunftsfähige Stadtentwicklung darf nicht an kurzfristigen Interessen oder an parteipolitischem Kalkül scheitern. Sie muss sich an dem orientieren, was unsere Region tatsächlich braucht – und das sind weder neue Baugebiete am Stadtrand noch leere Versprechungen. Wirtschaftskraft entsteht durch attraktive, lebendige Innenstädte, wo das Leben stimmt: mit guten Schulen, kurzen Wegen (auch zu den Verwaltungseinrichtungen), Nahversorgung, digitaler Infrastruktur und echtem Klimaschutz!

Das Prestigeprojekt von Bürgermeister, CDU und proWND am Missionshaus ist weder ökologisch tragfähig noch ökonomisch zukunftsweisend. Es schafft keine langfristige Wertschöpfung – sondern zerstört unwiederbringlich die Natur und belastet die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger mit Infrastrukturkosten.

Christlich, aber nicht konsequent?

Die CDU trägt das „C“ für „christlich“ im Parteinamen – gut sichtbar, oft betont. Doch wer sich auf christliche Werte beruft, sollte auch entsprechend handeln. Dazu gehört ganz wesentlich der Einsatz für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

 Am Pfingstmontag machte Dekan Klaus Leist in seiner Predigt im Wendelstal, in der „Kathedrale der Natur“, wie er das Gebiet um das Wendelstal seit Jahren nennt, deutlich, wie wertvoll unsere Natur ist – die Bäume, die Wälder, die Wiesen, die Ackerflächen. Sie sind mehr als bloße Flächen in einem Plan – sie sind Lebensraum, Klima- und Wasserspeicher, Erholungsort. Ihr Schutz ist keine romantische Idee, sondern eine Notwendigkeit.

Umso bedauerlicher ist es, dass Verantwortliche der CDU offenbar die Botschaft nicht gehört haben. Wer politische Entscheidungen trifft, sollte nicht nur vom Bewahren der Schöpfung sprechen, sondern auch danach handeln.

Die BI appelliert an langjährige Mitglieder der CDU auf die Verantwortlichen ihrer Partei einzuwirken: Es reicht nicht, christliche Werte in Sonntagsreden zu benennen. Man muss auch danach handeln. Das „C“ verpflichtet.

Was sagen die Zahlen?

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Laut dem Statistischen Landesamt wird die Bevölkerung in St. Wendel in den kommenden Jahren um rund 13,7 % schrumpfen. Bei aktuell nur noch rund 9.300 Einwohnerinnen und Einwohnern bedeutet das den Wegfall von über 1.200 Menschen – sei es durch Wegzug oder altersbedingten Verlust. Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 2,1 Personen entstehen dadurch rechnerisch mindestens 500 leerstehende Wohneinheiten – und das allein im Bestand. Hinzu kommen laut SEKO 157 Leerstände in der Kernstadt.

Wenn am Missionshaus nun zusätzlich 82 Wohneinheiten geplant sind, die de facto bis zu 170 Bewohnerinnen und Bewohner umfassen könnten, verschärft das die Problematik nur weiter. Während die Innenstadt zunehmend verwaist, entstehen neue Häuser dort, wo Natur unwiederbringlich verloren geht. Das ist weder nachhaltig noch verantwortungsvoll.

Wir setzen daher weiter auf Aufklärung und Beteiligung. Unsere Veranstaltungsreihe „Widerstand durch Wissen“ ist offen für alle – auch und gerade für politische Entscheidungsträgerinnen und -träger. Die Mehrheitsfraktion der CDU glänzte bei allen Veranstaltungen durch Abwesenheit. Wer von „Zukunft“ spricht, sollte bereit sein, sich ihr zu stellen – im Gespräch, mit den Zahlen, mit den Menschen.

Wir rufen die Bürgerinnen und Bürger von St. Wendel dazu auf, jetzt Gesicht zu zeigen. Für den Erhalt des Missionshaus-Geländes. Für eine lebenswerte Innenstadt. Für eine Politik mit Weitblick.

Denn eines ist sicher: Wir kennen keine Resignation. Wir machen weiter. Für unsere Kinder. Für unsere Enkel. Für St. Wendel.

Die Bürgerinitiative „Missionshaus Zukunft mit Weitblick“ – für Natur, Vernunft und Verantwortung. 

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