Widerstand durch Wissen
St. Wendel, 5.2.2026
Wärmeplanung bestätigt Bevölkerungsrückgang –
was das für das Missionshaus bedeutet
Der kommunale Wärmeplan der Kreisstadt St. Wendel ist mehr als ein technisches Energiekonzept. Er enthält zentrale Aussagen zur Bevölkerungsentwicklung – und damit zur Frage, wie viel Wohnraum die Stadt künftig tatsächlich benötigt. Der Endbericht wurde am 29.01.2026 in öffentlicher Stadtratssitzung vorgestellt.
Der Bericht zeigt, dass St. Wendel seit Mitte der 1990er Jahre kontinuierlich Einwohner verliert. Laut Prognosen des Statistischen Landesamtes wird dieser Trend bis 2045 anhalten, mit einem Rückgang von rund 13,7 Prozent (Endbericht, S. 12–13). Bei ca. 9.300 Einwohnern entspricht das einem Minus von 1.200 Personen. Bei 2,1 Personen pro Wohneinheit führt dies zu einem zu erwartenden Leerstand von über 500 Wohneinheiten.
Besonders relevant: St. Wendel hat die älteste Bevölkerungsstruktur im Saarland, der Median liegt bei fast 52 Jahren – die Hälfte der Bevölkerung ist also älter als 52. Selbst wenn es gelingen sollte, 1.000 neue Einwohner zu gewinnen, die dauerhaft in St. Wendel leben, würde dies nicht ausreichen, um den heutigen Bevölkerungsstand zu halten. Von Wachstum kann keine Rede sein; im besten Fall ließe sich so lediglich der Status quo sichern – was angesichts der Entwicklungen der letzten Jahre allerdings höchst unwahrscheinlich erscheint.
Diese Entwicklung beeinflusst nicht nur den Energiebedarf, sondern auch den Wohnraumbedarf. Entsprechend nennt der Bericht Nachverdichtung, Umnutzung und energetische Sanierung des Bestands als vorrangige Handlungsfelder. Die Bürgerinitiative „Missionshaus–Zukunft mit Weitblick“ sieht sich in ihren Analysen bestätigt und fordert seit Langem eine professionelle Wohnraumbedarfsanalyse, um Entscheidungen auf belastbarer Datengrundlage zu treffen.
Vor diesem Hintergrund rücken auch die Neubaupläne am Missionshaus in den Fokus. Sie stehen exemplarisch für die grundsätzliche Frage, ob zusätzliche Neubauflächen im Außenbereich erforderlich sind. Die zurückgenommene Ausschreibung für das Baugebiet „Sportplatz Alsfassen“ mangels Investoreninteresse verdeutlicht diese Problematik.
Wenn offizielle Planungsinstrumente von einem langfristigen Bevölkerungsrückgang ausgehen, gleichzeitig aber weiterhin mit einem steigenden Bedarf an Neubauflächen argumentiert wird, stellt sich eine zentrale Frage: Warum wird an Annahmen festgehalten, die durch die eigenen Daten infrage gestellt werden?
Anbei finden Sie den im Text genannten Endplan der kommunalen Wärmeplanung, wie er zur Stadtratssitzung zur Verfügung stand, zum Download. Ebenso wie die Pressemitteilung der GRÜNEN vom 30.1.26 lt. wndn.de zu diesem Thema.
Foto: Sinkende Einwohnerzahlen wirken sich auf den langfristigen Wohnraumbedarf aus
Fotograf: Frau Besitzerin
