Widerstand durch Wissen
St. Wendel, 29. September 2026
Mit Vollgas zurück in die Vergangenheit
Ein „Sechser im Lotto“ – so hat Alex Zeyer das Missionshausprojekt genannt. Doch wer gewinnt eigentlich – und wer trägt den Preis?
Das Versprechen klingt zunächst überzeugend: Der historische Bestand soll erhalten und saniert werden. Dafür soll auf bislang unbebauter Fläche neues Bauland entstehen. Die Begründung: Die Neubauten sollen wirtschaftliche Mittel schaffen, um die Bestandsgebäude zu sanieren. Damit hängt ihr Erhalt auch daran, dass die Neubauentwicklung für den Investor wirtschaftlich tragfähig ist.
Genau hier beginnt die Frage: Muss der Erhalt eines bedeutenden Kulturdenkmals tatsächlich mit der Bebauung bislang freier Flächen bezahlt werden? Und was geschieht, wenn die Rechnung nicht aufgeht? Wer trägt dann das Risiko?
Denn der Preis ist nicht nur in Euro zu messen. Freiflächen, die einmal versiegelt sind, kommen nicht zurück. Sie sind Lebensraum, wirken bei Hitze und Starkregen und gehören zur Lebensqualität einer Stadt.
Seit Beginn der Planungen hat sich unser Wissen verändert. Wir wissen mehr über Flächenverbrauch, Klimawandel, Hitze, Starkregen, Wasser und den Wert von Natur. Andere Städte wie z. B. Saarlouis richten ihr Handeln längst danach aus.
Politik darf sich irren. Was sie nicht darf, ist neue Erkenntnisse ignorieren, nur weil sie unbequem sind.
Gesetze und planerische Vorgaben sind keine lästigen Hindernisse. Sie sollen sicherstellen, dass politische Entscheidungen nicht nur möglich, sondern auch rechtssicher und verantwortbar sind.
Verantwortung für kommende Generationen bedeutet mehr, als von Zukunft zu sprechen. Sie bedeutet, sich zu fragen, was wir ihnen hinterlassen.
Das Missionshaus verdient eine Zukunft. Aber Zukunft darf nicht bedeuten, jeden möglichen wirtschaftlichen Weg zu gehen. Manchmal bedeutet Verantwortung, innezuhalten – und das zu bewahren, was sich nicht zurückholen lässt.
Foto: Noch grün, bald Baugrund? Die Wiese am Missionshaus soll dem Versprechen einer „wirtschaftlich tragfähigen“ Zukunft weichen.