Liebe RADAR-Abonnent:innen,

was ist der Plan für St. Wendel?

Diese Frage steht im Zentrum unserer Arbeit als Bürgerinitiative „Missionshaus – Zukunft mit Weitblick“. Sie ist kein abstrakter Diskurs, sondern entscheidet ganz konkret über den Umgang mit einem der sensibelsten Orte unserer Stadt: dem Missionshaus-Areal.

Offizielle Planungsinstrumente der Stadt – darunter die kommunale Wärmeplanung – gehen von einem langfristigen Bevölkerungsrückgang aus und empfehlen ausdrücklich Innenentwicklung, Nachverdichtung und Bestandssicherung. Gleichzeitig hält die Stadtspitze an der Erzählung fest, St. Wendel brauche neue großflächige Baugebiete im Außenbereich. Dieser Widerspruch ist kein Detail. Er ist der Kern des Konflikts um das Missionshaus.

Denn genau hier, am Stadtrand, soll eine der letzten stadtnahen Naturflächen St. Wendels, das Naherholungsgebiet Missionshaus, für ein Wohnbauprojekt von rund 27 Hektar geöffnet werden – trotz fehlender Wohnraumbedarfsanalyse, trotz Leerständen, Baulücken und bereits genehmigter Neubaugebiete mit über 250 Wohneinheiten.
Die Frage ist daher nicht ob gebaut werden kann, sondern warum hier gebaut werden soll.

Besonders deutlich wird das Muster in der Stadtratssitzung vom 29. Januar 2026 (TOP 8, Landesentwicklungsplan Saarland 2030). Dort wurde offen formuliert, dass im Bereich des Missionshauses das ausgewiesene Vorbehaltsgebiet für den Biotopverbund zurückgenommen werden soll, um die Entwicklung des Projekts „Green Living“ zu ermöglichen.
Zur Erinnerung: Noch im vergangenen Jahr wurden im Bereich Plantagenweg/Drehborn Wohnbauflächen genau mit dem Argument des Biotopverbundschutzes zurückgenommen.

Das ist kein Zufall, sondern eine politische Abwägung – und sie wirft eine zentrale Frage auf:
Wann gilt Naturschutz – und wann steht er Investoreninteressen im Weg?

Hier zeigt sich, was wir als Systemfehler bezeichnen:
Schutzgüter werden situativ interpretiert, Planungsziele flexibel angepasst, während unbequeme Daten relativiert werden. Diese Form der Realitätsverweigerung ist kein persönlicher Vorwurf, sondern eine strukturelle Beschreibung.

Dabei geht es um mehr als um Bauflächen.
Boden ist keine Verfügungsmasse – er ist Lebensgrundlage. Er speichert Wasser, bindet CO₂, schützt vor Hochwasser und erhält Artenvielfalt. Am Missionshaus liegt eines der letzten zusammenhängenden stadtnahen Naturflächen St. Wendels – Frischluftschneise, Wasserspeicher, Naherholungsraum. Im Martinstälchen entspringt eine Quelle in Trinkwasserqualität. Versiegelter Boden ist für Generationen verloren.

Der Landesentwicklungsplan ist hier eindeutig: Innenentwicklung vor Außenentwicklung.
Das ist keine Ideologie, sondern fachlicher Konsens – und geltendes Leitprinzip.

Unsere Bürgerinitiative steht deshalb nicht gegen Entwicklung, sondern für eine andere Art von Entwicklung: faktenbasiert, transparent, naturverträglich und sozial sinnvoll. Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht durch immer neue Baugebiete, sondern durch kluge Nutzung des Bestands, durch Umnutzung, Sanierung und echte Bedarfsanalysen.

Was wir derzeit erleben – auch in Einwohnerfragestunden – ist jedoch ein defensiver Umgang mit berechtigten Fragen. Kritik wird abgewehrt, statt sie als Chance zur Kurskorrektur zu nutzen. Gerade das schwächt das Vertrauen.

Es geht nicht um Symbolpolitik.
Ein Baum für die Kamera ist schnell gepflanzt.
27 Hektar versiegelter Boden sind unwiederbringlich verloren.

Das Missionshaus ist deshalb mehr als ein einzelnes Projekt. Es ist der Prüfstein, ob St. Wendel bereit ist, die eigenen Daten ernst zu nehmen – oder weiter an Annahmen festzuhalten, die der Realität nicht standhalten.

 

RADAR bleibt dran. Wir fragen nach, verknüpfen Zusammenhänge und bestehen darauf, dass Entscheidungen dieser Tragweite auf Fakten beruhen – nicht auf Wunschbildern.

 Herzlich

Ihre Bürgerinitiative
„Missionshaus – Zukunft mit Weitblick“

www.bi-missionshaus.de 

 

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